Was versteht man unter Drogen ?
Drogen sind Substanzen, die in die natürlichen Abläufe des Körpers eingreifen und Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen. Damit sind nicht nur die illegalen Drogen wie Haschisch, LSD, Heroin und Kokain gemeint, sondern auch die legalen Drogen wie Nikotin, Alkohol und Medikamente, deren Missbrauch insgesamt in der Bundesrepublik ein viel grösseres Ausmass hat.
Was ist eigentlich Sucht ?
Eine allgemeingültige Definition von Sucht gibt es nicht. Sucht war in der deutschen Sprache ursprünglich das Wort für Krankheit. Heute versteht man darunter eine krankhafte, zwanghafte Abhängigkeit von Stoffen; das Verlangen nach einer ständig erneuten Einnahme dieser Stoffe, um ein bestimmtes Lustgefühl zu erreichen oder Unlustgefühle zu vermeiden. Dieser Zustand tritt nach einer längeren Phase der Gewöhnung ein, wenn regelmässiger oder dauernder Konsum zu einer physischen und / oder psychischen Abhängigkeit geführt hat.
Von physischer Abhängigkeit spricht man, wenn der Körper den Stoff in seinen Stoffwechsel eingebaut hat und wenn nach Absetzen der Drogen körperliche Entzugserscheinungen wie Schweissausbrüche, Fieber, Muskelschmerzen oder Erbrechen auftreten.
Der Begriff der psychischen Abhängigkeit wurde eingeführt, weil bei einigen Drogen (z.B. LSD, Kokain, Haschisch) keine körperliche Abhängigkeit eintritt. Das Verlangen, den Konsum fortzusetzen, ist dennoch sehr stark und nicht mehr steuerbar. Wenn das Mittel abgesetzt wird, treten Unlustgefühle und Depressionen auf. Der Mensch kann mit dem Suchtmittel nicht mehr frei umgehen.
Süchtiges Verhalten
Es gibt sehr viele Mittel, aus deren Gebrauch eine zwanghafte Abhängigkeit, Sucht, entstehen kann.
In der Öffentlichkeit wird vor allem die Abhängigkeit von illegalen Drogen, Alkohol und Medikamenten zum Thema gemacht. Im Sinne der Reichsversicherungsordnung ist auch nur die Abhängigkeit von diesen Stoffen als Krankheit anerkannt.
Was aber ist mit: Spielsucht? Kaufsucht? Arbeitssucht? Fernsehsucht? Ess- und Brechsucht?
Nicht stoffgebundene Abhängigkeiten sind oft auf den ersten Blick nicht als süchtige Verhaltensweisen zu erkennen. Aber auch sie können ebenso zur "Krücke" für Lebensbewältigung werden wie stoffliche Suchtmittel und genauso zerstörerisch sein.
Dabei erscheint es dem/der Betroffenen zunächst so, als bringe das Suchtmittel Erleichterung, Entlastung in einer schwierigen Situation. Erst nach einiger Zeit stellt man fest: " Nicht ich habe die Droge unter Kontrolle, sondern das Mittel hat mich. "
Wie ensteht Sucht ?
Warum wird ein junger Mensch drogenabhängig?
Warum wird ein Familienvater Alkoholiker?
Warum ist die Nachbarin tablettensüchtig?
Warum raucht die Freundin, obwohl sie sich der Gefahren bewusst ist?
Die Antworten auf diese Fragen sehen immer wieder anders aus. Sucht hat nie eine einzige Ursache, sondern entsteht aus einem komplexen Ursachengefüge, in einem Prozess und nicht von heute auf morgen.
Wurzeln können in der Persönlichkeit des Betroffenen liegen, wenn er nicht gelernt hat, schwierige Situationen zu bewältigen, wenn er sich nicht dagegen wehren kann, von Gefühlen wie Angst, Wut, Scham, Langeweile, Einsamkeit erdrückt zu werden.
Wurzeln können aber auch im sozialen Umfeld liegen, in Kindheitserfahrungen oder in Ereignissen, die bedrohlich und ausweglos erscheinen, wie Trennung von einer geliebten Person, Verlust des Arbeitsplatzes, Geldnot, Schulprobleme, Schwierigkeiten in der Familie.
Das Zusammentreffen mehrerer belastender Faktoren kann den Einstieg in den Drogenkonsum begünstigen. Dabei spielt natürlich auch die Verfügbarkeit der Droge eine Rolle.
Hat man in einer schwierigen Situation einmal die Erfahrung gemacht, dass durch Drogen im engeren oder weiteren Sinne schlechte Gefühle abgestellt und gute Gefühle hervorgerufen werden, ist die Gefahr gross, immer wieder zu diesem Mittel zu greifen, sich "per Knopfdruck" Erleichterung zu verschaffen, bis ein Wohlbefinden ohne diese Hilfe nicht mehr möglich ist.
Aber auch Leichtfertigkeit im Umgang mit Suchtstoffen, Selbstüberschätzung ("...ich kann schon damit umgehen, ich werde schon nicht abhängig...") sind oft der Einstieg in eine Suchtkarriere.
Beispielhafter Verlauf einer Abhängigkeit
Ein Teufelskreis beginnt:
Der Wunsch nach Hochgefühl, Entlastung, Erleichterung, Flucht wird mit Hilfe der Droge befriedigt, das Verlangen danach wird grösser, die Dosis wird gesteigert.
Schuldgefühle entstehen; man versucht, sich zu rechtfertigen, sich selbst und andere zu täuschen, zu vertuschen; Vorsätze und Versprechungen werden nicht eingehalten; die Familie und Freunde werden belogen, bestohlen; das Suchtmittel wird Dreh- und Angelpunkt des Lebens. Die Sucht hat die ursprünglichen Probleme überlagert und neue geschaffen, die dem Betroffenen unüberwindlich scheinen.
Aufhören ist möglich
Der Ausstieg aus der Abhängigkeit beginnt mit der Einsicht : " Ich bin süchtig, so kann ich nicht weitermachen, der Preis ist zu hoch. "
Der Wunsch aufzuhören ist in der Regel begleitet von der Suche nach Hilfen beim Entwickeln von Alternativen, beim Lernen und Ausprobieren neuer Verhaltensweisen und Einstellungen.
Eine Drogenberatungsstelle kann jetzt sachkundige Unterstützung bieten.
Entzug
Körperlicher Entzug ist die erste Voraussetzung für ein drogenfreies Leben.
Unabhängig von welchem Mittel entzogen wird, ist der Entzug immer begleitet von starker Angst, innerer Unruhe, Unsicherheit und der Versuchung, wieder auf das Mittel zurückzugreifen. Die körperlichen Symptome können durch solche Gefühle bis auf ein unerträgliches Mass gesteigert werden. Hilfreich ist eine suchtmittelfreie Umgebung und Menschen, die einfühlsam sind, ablenken, beruhigen, Mut machen, kurz: "durchhelfen".
Der Heroin-Entzug gleicht einer starken Grippe und ist in drei bis sieben Tagen durchgestanden. Die auftretenden Entzugserscheinungen können jedoch je nach Dauer und Dosierung des Stoffes, insbesondere bei gleichzeitiger Abhängigkeit von anderen Suchtmitteln (Medikamente, Alkohol) wesentlich gravierender sein.
Entzüge bei Alkohol-, Tabletten- und Mehrfachabhängigkeit sollten im Krankenhaus durchgeführt werden, da Komplikationen (z.B. Krampfanfälle) auftreten können.
Dem körperlichen Entzug sollte sich eine Therapie anschliessen, um die Drogenfreiheit langfristig zu sichern.
Therapie
Wie die Entstehung einer Abhängigkeit ein individuell unterschiedlicher Prozess ist, muss auch der Ausstieg als Prozess begriffen werden. In dessen Verlauf wird die Fähigkeit, der Realität standzuhalten, grösser, das Erkenntnis-, Denk- und Urteilsvermögen setzt wieder ein, die Angst vor der Zukunft nimmt ab, die Fluchtwünsche werden weniger, das Selbstvertrauen nimmt zu, bis schliesslich Nüchternheit als befriedigend erlebt wird.
Der Ausstieg braucht ebenso viel Zeit wie der Einstieg.
Im Laufe der Jahre hat sich ein - auch nach geschlechtsspezifischen Belangen - sehr differenziertes Therapieangebot entwickelt:
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Es gibt professionelle Hilfe in Einrichtungen, in denen geschulte Fachleute den therapeutischen Rahmen setzen.
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In Selbsthilfegruppen geben Betroffene ihre Erfahrungen mit dem drogenfreien Leben weiter.
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Eine Therapie kann in stationären oder ambulanten Einrichtungen durchgeführt werden.
Rückfall
Die Gefahr eines Rückfalls ist auch während und nach einer Therapie ständig präsent. Für den Süchtigen bedeutet er den Wiedereintritt in den Suchtkreislauf mit all seinen zerstörerischen Folgen und für die Mitbetroffenen das Zusammenbrechen von Hoffnungen, die an die Nüchternheit geknüpft waren. Ein Rückfall heisst aber nicht, dass die Hoffnung aufgegeben werden muss. Nicht selten wird Drogenfreiheit erst nach mehreren vergeblichen Anläufen erworben. Rückfälle können wichtige Erfahrungen und neue Lernschritte für ein künftiges drogenfreies Leben beinhalten.
Wer ist gefährdet, von Drogen abhängig zu werden?
Wir alle erleben Stimmungsschwankungen, Probleme und Schwierigkeiten, denen wir am liebsten ausweichen möchten. Fast alle greifen hin und wieder zu einem Mittel, das die Welt etwas rosiger erscheinen lässt. Wenn dies zur Gewohnheit wird, beginnt der Missbrauch. Missbrauch ist die erste Stufe zur Sucht.
Süchtiges Verhalten ist allgegenwärtig in unserer anspruchsvollen Leistungsgesellschaft. Das Drogenproblem ist nur die Spitze eines Eisbergs, dessen unsichtbarer Teil uns alle mehr oder weniger betrifft. Eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Suchtproblem setzt das Eingeständnis eigener Mitbetroffenheit voraus und verbietet das Abwälzen des Problems auf Sündenböcke.
Was können wir tun, um Abhängigkeit zu vermeiden?
Ganz allgemein müssen präventive, vorbeugende Massnahmen darauf abzielen, Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich eigenverantwortlich mit sich selbst und der Umwelt auseinanderzusetzen, Schwierigkeiten und Konflikte aktiv zu bewältigen, dem Leben einen positiven Sinn zu geben.
Nicht Drogen dürfen dabei im Mittelpunkt stehen, sondern der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Ängsten, mit seiner Suche nach dem Sinn des Lebens, seinem Wunsch nach Erfüllung seiner Grundbedürfnisse und nach Geborgenheit, Annerkennung, Menschlichkeit.
Kinder und Jugendliche müssen jedoch auch Belastbarkeit lernen, d.h. das Bewältigen unangenehmer Situationen.
In der Erziehung kommt es also vor allem darauf an, den Kindern gefühlsmässige Geborgenheit zu geben und sie zu ermutigen, Herausforderungen zu begegnen. Erziehung zur Selbstständigkeit beinhaltet auch das Setzen von Grenzen. Zu weite Grenzen haben Orientierungsschwierigkeiten zur Folge, zu enge Grenzen verhindern, dass Kinder sich in einem Freiraum erproben können und unklare Grenzen durch inkonsequentes, uneiniges Elternverhalten können zu Verunsicherung und Orientierungslosigkeit führen.
Mein Kind nimmt Drogen
Es muss noch einmal darauf hingewiesen werden: die Entstehung einer Abhängigkeit ist ein - in der Regel - langer Prozessssss, der verschiedene Ursachen hat. Eine notwendige, jedoch nicht hinreichende Voraussetzung ist die Verfügbarkeit von Drogen.
Wenn Eltern oder P%auml,dagogen bemerken, dass ein Kind oder Jugendlicher Drogen genommen hat, müssen Überreaktionen vermieden werden. Einmaliger Konsum ist noch keine Sucht, und auch bei wiederholtem Konsum hängt es von der Art der Droge und den persönlichen Umständen ab, wie schnell eine Abhängigkeit entsteht.
Vorwürfe und Schuldzuweisungen oder Panikreaktionen können sehr dazu beitragen, das Vertrauensverhältnis (weiter) zu zerstören und die Situation zu verschlimmern.
Wichtig ist es, im Gespräch zu bleiben, Hilfe anzubieten, auf die Probleme des Betroffenen einzugehen; denn der Kontakt mit Drogen darf auch nicht verharmlost werden.
Darüber hinaus muss sich jeder fragen, wie er selber Probleme löst, wie schnell zu einem vermeintlich harmlosen Mittel gegriffen wird, wie man mit Nikotin, Alkohol und Medikamenten umgeht. Jeder, der mit Kindern und Jugendlichen zu tun hat, sollte sich bewusst sein, dass er eine Vorbildfunktion hat und dadurch suchtpräventiv wirken kann.
Gibt es die Einstiegsdroge?
Immer wieder wird Cannabis als Einstiegsdroge in den Heroinkonsum bezeichnet. Zwar ist es richtig, dass etwa 90 % der Heroinabhängigen vorher Cannabis genommen haben, gleichzeitig haben aber 95 % vorher Zigaretten geraucht. Nikotin wird deshalb nicht als Einstiegsdroge bezeichnet.
Man muss also umgekehrt fragen, wie viele der Cannabiskonsumenten tatsächlich auf Heroin umsteigen. Untersuchungen haben dafür eine Zahl von ca. 5 % ergeben.
Der grösste Teil der Jugendlichen, die regelmässig Alkohol und / oder Nikotin konsumieren, wird später nicht Haschisch rauchen, der grösste Teil der Haschischraucher wird nicht Heroin nehmen. Dennoch erhöht sich mit jedem Schritt die Wahrscheinlichkeit, andere Drogen zu probieren.
In jedem Fall bedeutet der Konsum illegaler Drogen - wie auch der Konsum legaler Drogen - eine Gefährdung.
Bei offensichtlich beginnender oder schon bestehender Abhängigkeit sollte auf jeden Fall eine Beratungsstelle aufgesucht werden.
Allen Drogen gemeinsam ist, dass sie bei Missbrauch im körperlichen, seelischen und sozialen Bereich tiefgreifende Veränderungen in der Persönlichkeit des Konsumenten und in seinen Beziehungen zur sozialen Umwelt nach sich ziehen.
Nikotin, Alkohol und Medikamente sind Drogen, die in der Bundesrepublik Deutschland nicht verboten sind. Bei Missbrauch sind sie in ihrer zerstörerischen Wirkung aber durchaus den illegalen Drogen vergleichbar. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit wird dies leider immer noch unterschätzt.
Illegale Drogen sind jene Substanzen, deren Besitz, Herstellung und Weitergabe in der Bundesrepublik durch das Betäubungsmittelgesetz verboten ist.
Während der letzten Jahre wurde zunehmend Mehrfachabhängigkeit (Polytoxikomanie) beobachtet. Das heisst, die Abhängigen nehmen nicht ausschliesslich nur eine Droge.
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